Ghostery blendet ab sofort Werbung ein!

Die Browsererweiterung Ghostery verkauft sich als Anti-Tracking Tool und Werbeblocker. Die neue Version sorgt dafür dass das Plugin nun auch Werbung einblenden kann. Mithilfe von sog. „Rewards“ werden Kunden auf andere Portale gelockt. Der Grad zwischen Privatsphäre und dem Betreiber verschwimmt zunehmend. Es gibt Alternativen ohne Werbung!

Ghostery gibt es für alle gängigen Systeme

Der Werbeblocker wird für alle gängigen Webbrowser angeboten. In der Vergangenheit wurde die Firma, die die Schirmherrschaft über das Projekt hatte, häufig umbenannt oder hat komplett gewechselt. Von Ghostery, Inc. über Better Advertising hin zu Evidon Inc.




Anfang 2017 hat sich herausgestellt, dass die Technik und die Marke teilweise von Cliqz aufgekauft worden sind. Cliqz ist ein Browser der Privatsphäre verspricht, die Technik von Ghostery inne hat und zum großen Teil dem Burda-Verlag gehört. Auch Cyberport gehört mit zum Portfolio des Verlages. Hier wird eine wichtige Brücke zum Kunden geschlagen, die vorher noch niemand bauen konnte – außer mit Malware.

Von MediaMarkt nach Cyberport – mit einer Belohnung von Ghostery!

Das Prinzip ist so einfach wie genial. Normalerweise ist eine Anti-Tracking und Werbeblocker Erweiterung dafür da, entsprechende Verbindung, die nötig sind um Werbung auszuliefern oder Nutzer zu tracken zu unterdrücken, zu blocken oder schlichtweg nicht darzustellen. So weit so gut.

Ghostery geht jetzt einen Schritt weiter und blendet gezielt Werbung ein. Wenn ihr die Erweiterung mit dem netten blauen Geist installiert habt und bei MediaMarkt shoppen geht, kann es sein dass ihr demnächst motiviert werdet doch lieber bei Cyberport einkaufen zu gehen. Ihr bekommt die Notification einen „Ghostery Reward“ dargestellt:

Ghostery lockt euch dezent auf andere Plattformen
Beim surfen werdet ihr auf einen „Ghostery Reward“ aufmerksam gemacht. (Quelle: stadt-bremerhaven.de)

Hinter dem Reward versteckt sich dann ein Gutschein, mit dem ihr bei Werbepartnern von Ghostery günstiger einkaufen könnt. Das gleiche Prinzip ist als AdWare, in manchen Fällen auch in Kombination mit „Potential unwanted Programs“ aus dem IT-Sicherheitsbereich bekannt. Auf Amazon Werbung von Otto dargestellt bekommen? Von Neckermann auf Ebay umgeleitet werden? Mit einem sauberen System ist das bisher kaum möglich gewesen. Ein mit AdWare infiziertes System hat das in der Vergangenheit schonmal gemacht.

Ghostery lockt euch mit Rewards auf andere Shops.
So sieht ein Ghostery Reward. Ihr werdet mit einem Gutschein von MediaMarkt nach Cyberport gelockt. (Quelle: Heise)

Ghostery ist keine AdWare –
gute Alternativen gibt es trotzdem!

Die Erweiterung hat natürlich ein Monetarisierungsziel. Es war schlichtweg nur eine Frage der Zeit, bis das auch zum Vorschein kommt. Ähnlich wie bei Facebook und Adblock Plus stehen Unternehmen hinter dem vorbildlichen Vorhaben – mit dessen Funktion sich aber nichts verdienen lässt. Deshalb werden die Daten verkauft, verarbeitet und Werbung geschaltet. Und dann funktioniert es ganz gut mit dem Geld. Mit einem „potential unwanted program“ hat die Erweiterung in dem Fall wenig zu tun, da man es in der Regel gezielt installiert.

Doch auch wenn das Unternehmen die lokale Verarbeitung betont stößt mir die Funktion auf. Aus meiner Sicht steht Ghostery direkt neben AdBlock Plus. Für beides gibt es gute, werbefreie und open Source Alternativen.

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