Coronavirus, Fake News und die Infodemie

Kriminelle sind opportunistisch. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort „Gelegenheit schafft Diebe“. Schon die Vergangenheit hat gezeigt, dass breit gestreute Nachrichten und Krisensituationen dazu führen, dass Kriminelle diese ausnutzen. Bei den australischen Buschfeuern zu Beginn des Jahres war das bereits der Fall. Dadurch, dass das Coronavirus einen Urinstinkt des Menschen aktiviert, nämlich die Angst, ist dies ein Nährboden für Betrüger, Fake News und Phishing. Experten sprechen von einer Infodemie.

Eine Geschichte des Betrugs

Der Betrug selber ist genauso alt wie die Menschheit. Bereits im antiken Griechenland gab es Betrug. Die erste gesicherte Quelle geht zurück auf  ungefähr 300 vor Christus auf einen Händler namens Hegestratos mit seinem Gehilfen Zenothemis.  Für den Laien ausgedrückt funktionierte sein Betrug wie folgt: Der Händler lieh sich Geld und erklärte sich bereit, es mit Zinsen zurückzuzahlen, wenn die Ladung, in Hegestratos Fall Getreide, geliefert wurde. Wenn der Händler die Rückzahlung des Kredits verweigerte, konnte der Kreditgeber die Ladung und das für den Transport verwendete Boot einfordern.

Hegestratos füllte sein Boot nicht mit Getreide auf und wollte das leere Boot auf See versenken und das Getreide auf anderem Weg verkaufen. Der Plan scheiterte, und er ertrank bei dem Versuch, seiner Crew und seinen Passagieren zu entkommen, als sie ihn auf frischer Tat ertappten und er das Beiboot verfehlte, welches Ihn hätte retten sollen. Zusätzlich dazu gibt es auch in der Bibel und dem Koran immer wieder Geschichten, Metaphern oder Vergleiche rund um das Thema Betrug.

Ponzi und Schneebälle im Betrug

Häufig sind Betrüge nach dem sogenannten „Ponzi Schema“ aufgebaut. Ein Ponzi Schema ist eine spezielle Form des Schneeball- oder Pyramidensystems. Der Ablauf ist immer ähnlich: Es werden hohe Renditen für Geldanlagen versprochen, diese gibt es jedoch nur auf dem Papier. Fordern die Anleger irgendwann tatsächlich Ihr Geld ein, werden Sie ausbezahlt, allerdings nur über einen bestimmten Zeitraum. Diese Auszahlungen können zudem nur finanziert werden, wenn Einlagen anderer Anleger dazu verwendet werden. Als Betrüger wird als ein stetiger Zufluss von Neuanlegern benötigt. Es gibt in der Regel keine echten Investitionen oder Geschäfte, die den Wert einer Anlage erhöhen könnten. Ein solches System bricht häufig zusammen, wenn eine hohe Anzahl von Anlegern versucht, Ihre Einlagen zurückzubekommen. Der Betrug geht zurück auf seinen Erfinder Charles Ponzi, der diesen Betrug im Jahr 1919 das erste Mal durchführte.

Das Schneeballsystem und Multi Level Marketing

Multi Level Marketing ist häufig nicht genau vom Schneeballsystem zu unterscheiden. Die Grenzen sind fließend. Sie sollten sich immer die Frage stellen: „Würde ich dieses Produkt zu diesem Preis kaufen, wenn ich keine Provision für den Weiterverkauf der Produkte erhalten würde?“. Wenn Sie dann „Nein“ sagen würden, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Schneeballsystem. An folgenden weiteren Aspekten erkennen Sie fadenscheinige Multi Level Marketing Angebote:

  • Verdienstmöglichkeiten bestehen überwiegend aus Vorteilen, die für das Anwerben neuer Mitarbeiter*innen ausgeschüttet werden. Es wird dabei oft von sogenanntem „passivem Einkommen“ gesprochen
  • Das Produkt welches vertrieben wird ist häufig überteuert
  • Die Handelsmarge oder Provision ist ungewöhnlich hoch

Alle diese historischen Beispiele waren nicht abhängig von breit gestreuten Informationen, da diese allumfassenden Informationsströme erst seit der Verbreitung des Internets relevant sind. Die Technologie befeuert diese neuartige Infodemie.

Phishing und Corona

Phishing wird von Betrügern ebenfalls durchgeführt und ist die modernste Form des Betrugs. Dabei versenden Betrüger E-Mail, die vermeintlich von seriösen Unternehmen oder Bekannten stammen um Personen dazu zu bringen, Passwörter oder Kreditkarteninformationen auf fremden Webseiten einzugeben. Durch die Verbreitung von E-Mail Kommunikation und E-Commerce hat die Zahl dieser Betrügereien in den letzten Jahren enorm zugenommen.

Aktuell nutzen Cyberkriminelle die Unsicherheit in der Bevölkerung aus und verschicken Phishing Mails, welche vorgeben von einer medizinischen Organisation zu sein. In einem Fall soll es laut dem amerikanischen Secret Service einen Anhang gegeben haben, der die Opfer mit Schadsoftware infiziert hat, als dieses den Anhang öffnete.

Weitere Betrugsmaschen rund um Corona

Es werden zudem vermehrt Webseiten entdeckt, die Social Engineering ausnutzen und als legitime Beiträge in sozialen Medien erscheinen. Häufig wird dann zu Spenden aufgerufen, zur Bekämpfung des Coronavirus, allerdings stecken dahinter meist einfach Kriminelle die sich bereichern wollen. Im medizinischen Kontext wurde zudem eine erhöhte Anzahl an Betrügereien festgestellt. Häufig wird medizinisches Material zum Verkauf angeboten, welches zur Vorbeugung/Schutz gegen Corona verwendet werden kann. Die Verkäufer versenden die Materialien angeblich nur nach Vorauszahlung, die Produkte werden jedoch nie geliefert.

Infodemie als Nebeneffekt zur Pandemie

Als wären die aktuellen Betrugsmaschen rund um Corona nicht schon genug, gibt es eine weitere Entwicklung die uns Sorgen bereiten sollte: Der schier unendliche Fluss an Informationen was jetzt zu tun ist und was nicht und vorallem, was noch alles auf uns zukommt. Diese Ungewissheit bereitet vielen Menschen Sorgen und dadurch sind Sie beliebte Ziele für Fake News Kampagnen und besonders anfällig für die Verbreitung dieser News.

„Der Ausbruch und die Reaktion auf COVID-19 wird von einer massiven ‚Infodemie‘ begleitet – einer Überfülle an Informationen, einige davon korrekt und andere nicht -, die es den Menschen schwer macht, vertrauenswürdige Quellen und verlässliche Anleitung zu finden, wenn Sie sie brauchen“, sagte Dr. Margaret Harris, eine führende Ärztin der WHO, gegenüber dem National Observer aus Kanada.

Leider wirken sich falsche Informationen rund um Themen der Gesundheits- und Krankheitsprävention besonders drastisch aus. Dieser Studie zu Folge dürfen schlechte Ratschläge nicht 30% der gesamten Informationen rund um einen Krankheitsausbruch übersteigen, um den negativen Auswirkungen der schlechten Ratschläge entgegenzuwirken. Es ist natürlich schwierig diese 30% nicht zu übersteigen in Zeiten von Social Media. Ein Tweet mit fehlerhaften Informationen kann sich gerade bei Unsicherheit rapide ausbreiten und alle Kommunikationsarbeit von offziellen Stellen negieren. Dies stellte das amerikanische CDC bereits beim Ebola Ausbruch 2014-2016 fest. Zusätzlich dazu, führen falsche Informationen innerhalb einer Infodemie zu weiterer Unsicherheit und zu einer Destabilisierung der Gesellschaft.

Auch die Aktienmärkte sind nicht auf die Verbreitung von falschen Informationen vorbereitet. So wurde 2013 die Fehlinformation verbreitet, dass Barack Obama bei einer Explosion im Weißen Haus verletzt wurde. Der Index S&P ließ in Folge dieses einen Tweets um 0,9% nach, was einem Geldwert von 130 Milliarden Dollar entspricht.

Eine aktuelle Welle der Fehlinformation ist beispielsweise, dass eine Bekannte eines Bekannten bei einer lokalen, regionalen oder nationalen Stelle der Krisenprävention arbeitet und den Hinweis gegeben hat, es solle sich mit Lebensmitteln eingedeckt werden, da in 48h der komplette Lockdown bevorsteht und die Supermärkte schließen. Diese Information wurde als WhatsApp Nachricht versendet. Dies ist ein interessanter Aspekt, da falsche Informationen sich bei vorangegangenen Infodemien vermehrt über Facebook, Twitter oder andere soziale Netzwerke verbreitet haben. Zusätzlich dazu machte ein vermeintlicher Screenshot von Focus Online die Runde, der die eingeschränkten Öffnungszeiten der Supermärkte darstellen soll.

Falsche Öffnungszeiten der Supermärkte.
Falsche Öffnungszeiten der Supermärkte. Quelle: mimikama.at

Das einzige worum einzelne Lebensmittelgeschäfte bitten, ist den Einkauf nicht mehr ausschließlich Freitag nachmittag oder Samstag vormittag zu tätigen, damit die Mitarbeiter*innen der Geschäfte hinterherkommen, die Regale einzuräumen.

Generall als falsch kann auch die News kategorisiert werden, dass Ibuprofen den Krankheitsverlauf verschlimmere. Diese Nachricht kursierte ebenfalls auf Whatsapp mit einer Referenz auf die Universität Wien. Diese weist jedoch deutlich darauf hin, dass es sich dabei um Fake News handelt. Auch Knoblauch oder der Urin von Kühen hilft nicht gegen das Virus.

Was kann ich gegen Betrug und Fake News tun?

Es folgen Hinweise, was Sie gegen Betrug und Fake News rund um die Corona Infodemie tun können. Wir haben noch andere Beiträge rund um das Thema Prävention, beispielsweise haben wir in diesem Blogpost zusammengefasst wie Sie sich gegen Phishing schützen können. Hier sind unsere Tipps gegen Fake News und Betrug:




  • Hinterfragen Sie die Quelle. Woher kommt die Information oder die E-Mail? Wie vertrauenswürdig ist diese Information und die Institution/Person die Ihnen diese Information mitteilt? Es ist leider so, dass wahrscheinlich keiner in Ihrem Umfeld direkten Kontakt in die Notfallplanungsräte hat. Dadurch können Sie Informationen die über einen Bekannten einer Bekannten zu Ihnen dringen in der Regel als „falsch“ kategorisieren.
  • Haben Sie die Kommunikation gestartet? Bei jeder E-Mail oder Kontaktaufnahme rund um Corona sollten Sie sich Fragen, ob Sie diese Kommunikation initiiert haben. Wenn nicht, ist erhöhte Vorsicht geboten.
  • Vermeiden Sie das Öffnen von Anhängen und das Klicken auf Links in E-Mails von Absendern, die Sie nicht erkennen. Diese Anhänge können bösartige Inhalte, wie z.B. Ransomware enthalten, die Ihr Gerät zu infizieren und Ihre Informationen stehlen.
  • Seien Sie misstrauisch gegenüber E-Mails oder Telefonanrufen, in denen Kontoinformationen angefordert werden oder die Aufforderung, Ihr Konto zu verifizieren. Seriöse Unternehmen werden Sie dafür niemals anrufen oder Ihnen direkt eine E-Mail schicken.
  • Besuchen Sie Websites, indem Sie den Domänennamen (https://aware7.de) selbst eingeben. Unternehmen verwenden in der Regel Verschlüsselung und Zertifikats-„Fehler“ können ein Warnzeichen dafür sein, dass etwas mit der Website nicht stimmt.
  • Die WHO hat eine „Aufklärungsseite“ veröffentlich bei der Sie die häufigsten Mythen rund um das Coronavirus aufdeckt. Informieren Sie sich, bevor Sie Vermutungen über die Krankheit aufstellen.

Fest steht, dass wir im Nachgang zur Coronakrise vor einigen Baustellen im Bereich der Informationsverbreitung stehen. Es muss sichergestellt werden, dass falsche Informationen schneller als solche erkannt werden. Die großen Plattformen wie Twitter und Facebook haben dafür schon einiges getan, jedoch scheint sich die Verbreitung nun auf WhatsApp zu verlagern, was die Technologie vor eine große Herausforderung stellt im Kampf gegen eine Infodemie.


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